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Landesweite Umfrage zeigt: Grundschullehrer zeigen Professionalität - trotz gravierender Systemmängel

25.01.2016

In Rheinland-Pfalz ist die Finanzierung der Grundbildung auf Kante genäht / VBE fordert mehr politische Wertschätzung für rheinland-pfälzische Grundschulen

„Anders als alle anderen Schularten sind die Grundschulen von den gesellschaftlichen Herausforderungen in besonderer Weise betroffen. Grundschulen nehmen alle Kinder auf, unabhängig von sozialer, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit. Die Grundschulen spiegeln das Bild unserer Gesellschaft, ihrer Entwicklungen, ihrer Probleme, aber auch ihrer Potentiale.

Aber noch immer sind die Grundschulen chronisch unterfinanziert. Grundschüler sind mit Abstand die billigsten Schüler. Die Bildungsfinanzierung funktioniert hier noch immer nach dem Prinzip der Schuhgröße der Schüler: Je kleiner, um so weniger.

Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, die schulpolitisch zuallererst an den Grundschulen durchschlagen, muss sich das ändern. Die Grundschulen in Rheinland-Pfalz müssen aus dem Schatten des Rotstiftmilieus heraustreten, in dem sie als Volle Halbtagschulen Mitte der neunziger Jahre geschaffen wurden.

Der VBE Rheinland-Pfalz sagt: Wer in die Grundbildung investiert, festigt das Fundament unserer Gesellschaft, deren einzige nennenswerte Ressource Bildung ist. Der VBE Rheinland-Pfalz fordert, mehr in die Grundschulen zu investieren, um die Zukunft der Kinder und unserer Gesellschaft zu sichern. Angesichts der aktuellen von Defiziten gekennzeichneten Situation der Grundschulen ist das - wie die aktuelle VBE-Umfrage an allen Grundschulen ergeben hat - auch dringend nötig.“

Mit dieser Stellungnahme äußerte sich der Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Lehrergewerkschaft VBE, Gerhard Bold, zur Vorstellung der Ergebnisse einer aktuellen VBE-Umfrage an allen Grundschulen des Landes, die im Dezember 2015 unter dem Motto „Grundschulen 2016 - was läuft und was läuft nicht?“ durchgeführt wurde. Von den 969 angeschriebenen Grundschulen haben 410 Schulen geantwortet, das entspricht einer Rücklaufquote von 43%. - Vor diesem Hintergrund stellte er die Grundschulkampagne 2016 des VBE vor, die unter dem Motto steht „ ... ein guter GRUND SCHULE zu stärken“.

VBE-Landesvorsitzender Gerhard Bold: „ An den Grundschulen herrscht eine hohe pädagogische Professionalität. Das wollen wir auch mit unserer Grundschulkampagne 2016 deutlich machen. Zugleich zeigen die Ergebnisse unserer Umfrage erhebliche Mängel, die auf einer systematischen Unterfinanzierung beruhen. In Rheinland-Pfalz ist die Sicherung der Grundbildung seit Jahren auf Kante genäht.“

So sei die Unterrichtsversorgung faktisch lange nicht so gut wie seitens der Landesregierung immer dargestellt. Gerhard Bold: „ Die Versorgung ist an vielen Schulen defizitär, vielerorts muss Unterricht einfach ausfallen, was an Vollen Halbtagsschulen eigentlich nicht sein darf. Außerdem ist die Versorgung ungleich verteilt. Immer wieder muss Förderunterricht ausfallen, der dann zum Luxus für wenige wird.“

Der Grundschulreferent des VBE Rheinland-Pfalz, Lars Lamowski, selbst Leiter einer Grundschule im Norden des Landes, sah die grundsätzlich positive Wirkung der Absenkung der Klassengrößen auf maximal 24 Schüler/-innen durch die Umfrage bestätigt. Allerdings schränkte er ein: „Diese Absenkung kann aber nicht alle Entwicklungen kompensieren, mit denen Grundschulen fertig werden müssen, wie z. B. ganz aktuell die Integration von Flüchtlingskindern.“

Außerdem wies Lars Lamowski auf die prekäre Situation bei den Schulleitungen an den Grundschulen hin: „An mehr als jeder zehnten Grundschule in Rheinland-Pfalz ist die Schulleitungsstelle nicht besetzt. Eine gute Schulentwicklung ist aber ohne engagierte Schulleitung nicht realisierbar.“ Was fehle, seien attraktivere Rahmenbedingungen, die zur Übernahme einer Führungsfunktion motivierten. Das sei nicht ausschließlich eine Frage des Gehalts, die pädagogischen Rahmenbedingungen seien ebenso wichtig - wie z.B. ein richtiges Sekretariat oder auch eine einigermaßen moderne technische Ausstattung für Schule und Schüler. Der VBE-Grundschulreferent: „Daran mangelt es landesweit.“

Die stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Sabine Mages äußerte sich zur verbreiteten Zeitarbeit an den Grundschulen. „An jeder zweiten Grundschule werden Lehrkräfte zeitlich befristet eingesetzt, ohne längere berufliche Perspektive“, so Sabine Mages. „Dies schlägt zwangsläufig auf den Unterricht durch.“ Überhaupt müsse festgehalten werden, dass die Sicherung der Unterrichtsversorgung offensichtlich auf der Vergabe von Zeitarbeitsverträge beruhe. „Angesichts der sonstigen Haltung der Landesregierung zum Thema Zeitarbeit ist dies skandalös“, so Sabine Mages.

Als zentrale Forderungen des VBE zur Grundschulentwicklung nannte der VBE-Landesvorsitzende:

  • Die Grundschule in Rheinland-Pfalz als Volle Halbtagschule muss ihr Erbe als schulpolitisches Sparmodell aus den 90er Jahren ablegen. Eine gute Grundbildung ist essentiell für die Zukunft dieser Gesellschaft. Sie muss als Investition mehr wert sein. Die Ausgaben für Grundschüler/-innen dürfen denen der Schüler/-innen anderer Schularten nicht nachstehen.
  • Die Unterrichtsversorgung muss auch für Mangelsituationen vollständig sichergestellt werden. Der VBE fordert eine strukturelle Versorgungsquote von 110% und die Einführung der an den übrigen Schularten üblichen „Drittelpauschale“ als Versorgungsausgleich.
  • Die Absenkung der Klassengrößen auf 24 Schüler/-innen war ein wichtiger Schritt zur Einführung der individuellen Förderung. Sie ist aber nicht ausreichend zur Umsetzung der Inklusion und zur Integration von Flüchtlingskindern. Deshalb muss der Klassenteiler an Grundschulen mittelfristig weiter abgesenkt werden auf maximal 20 Schüler/-innen.
  • Die rheinland-pfälzischen Grundschulen müssen für die Inklusion und für die Integration der Kinder aus Migrantenfamilien fit gemacht werden. Die Konzepte müssen an die Realitäten angepasst werden - und nicht umgekehrt.

  • Befristete Zeitarbeit zur Sicherung des Unterrichts muss an den Grundschulen abgebaut werden. Berufliche Perspektiven für (junge) Lehrkräfte sind auch pädagogische Perspektiven für die Schülerinnen und Schüler.
  • Funktions- und Schulleitungsstellen müssen an den Grundschulen attraktiver werden durch entsprechende Rahmenbedingungen pädagogischer Führungsaufgaben. Engagierte Schulleitungen sind die Voraussetzung für eine gute pädagogische Qualitätsentwicklung.


Ausführliche Tischvorlage zur Pressekonferenz zum Download

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