Zur Beschäftigung von Lehrpersonen in Vertretungsverträgen
ohne vollständige Lehrerausbildung an rheinland-pfälzischen Schulen
- Ergebnisse einer Umfrage im Herbst 2009 –
Zum Beginn jedes neuen Schuljahres werden an den Schulen die Daten zur Unterrichtsversorgung erhoben. Daraus ergibt sich das Maß der strukturellen Unterrichtsversorgung.
Von vielen Schulen wurde in diesem Schuljahr 2009/2010 über eine Zunahme der Vertretungsverträge und die vermehrte Beschäftigung von Lehrpersonen ohne ausreichende Ausbildung berichtet. Der VBE Rheinland-Pfalz ist solchen Hinweisen mit einer Umfrage nachgegangen und hat die allgemein bildenden Schulen mit einem kurzen Fragebogen angeschrieben. 533 Schulen haben sich an der Umfrage beteiligt.
Ergebnisse
Die wichtigsten Ergebnisse dieser Umfrage sind:
· An 60% der Schulen werden zur Abdeckung der Unterrichtsversorgung Lehrpersonen mit Vertretungsverträgen beschäftigt.
· Ein Drittel (32,8%) der Lehrpersonen in Vertretungsverträgen sind Personen ohne vollständige Lehrerausbildung.
· Die Lehrpersonen ohne vollständige Lehrerausbildung sind zu 46% Hochschulabsolventen mit erstem Staatsexamen ohne zweite Ausbildungsphase (Seminar), zu 12% Lehrkräfte mit schulartfremdem Lehramt, stammen zu 11,6% aus lehramtsfremden Berufen (z.B. Handwerk) bzw. haben zu 30% andere berufliche Hintergründe.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen aus Sicht des VBE Rheinland-Pfalz, dass der Anteil der Lehrpersonen ohne vollständige Lehrerausbildung mittlerweile erheblich ist, um Engpässe in der Unterrichtsversorgung auszugleichen. Ein besonderes Problem stellen dabei „Spitzen“ dar, indem an einzelnen Schulen bis zu 30% der Lehrkräfte keine vollständige Lehrerausbildung haben.
Selbst wenn die strukturelle Unterrichtsversorgung auf „hohem Niveau“ gesichert ist (wie laut rheinland-pfälzischem Bildungsministerium im letzten Schuljahr bei 98,3% an den allgemein bildenden Schulen, ein Wert, der in diesem Jahr wieder zu erwarten ist), deuten die Ergebnisse dieser Umfrage auf qualitative Mängel bei der Sicherstellung der Unterrichtsversorgung hin.
Im Übrigen sei daran erinnert, dass die Ergebnisse der diesjährigen Sondererhebung zur Unterrichtsversorgung, die Anfang Mai durchgeführt wurde, noch nicht vorliegen. Im letzten Jahr hatte diese im April durchgeführte Sondererhebung ergeben, dass nur an jeder zweiten Schule der Unterricht nach Stundenplan läuft. Das heißt, dass an jeder zweiten Schule Mängel in der Unterrichtsversorgung aufgetreten sind. Die Ergebnisse waren Mitte Juni 2008 veröffentlicht worden.
Letztlich werfen die Umfrageergebnisse auch ein Licht auf die Situation am Lehrerarbeitsmarkt bzw. auf den immer deutlicher werdenden Lehrermangel. Ein unverkennbares Anzeichen für diesen zunehmenden Mangel ist auch, dass die Anzahl entsprechend qualifizierter Personen auf dem „Ersatzbedarfs-Markt“ rapide abnimmt.
VBE-Forderungen
· Die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung mit professionell ausgebildetem Personal in unbefristeter Beschäftigung muss schulpolitisch absoluten Vorrang haben. Die Beschäftigung qualifizierter Lehrpersonen in befristeten Verträgen muss die Ausnahme bleiben und darf nicht zur Regel werden.
· Die Sicherstellung der Unterrichtsqualität ist von gleichrangiger Bedeutung wie die Sicherstellung des Unterrichtsumfangs. Deshalb muss die Landesregierung dafür Sorge tragen, dass alle Lehrpersonen – auch alle Vertretungskräfte mit zeitlicher Befristung – die erforderliche Ausbildung für ihre Tätigkeit haben.
· Die vermehrte Beschäftigung von Lehrpersonen ohne ausreichende Ausbildung dokumentiert den fortschreitenden Lehrermangel. Um dem zumindest zum Teil begegnen zu können – eine „echte“ Lösungsstrategie kann aufgrund der planerischen Fehler der Landesregierung in den zurückliegenden Jahren nur langfristig wirken -, müssen die Kapazitäten an den Studienseminaren weiter erhöht werden, so dass alle Absolventen mit erstem Staatsexamen umgehend einen Seminarplatz finden. Sie stehen dann dem Lehrerarbeitsmarkt auch eher zur Verfügung.
Mainz, 07. November 2009