„Auch nach Vorlage des Entwurfs der Schulgesetznovelle bleibt die Einführung der Realschule plus in Rheinland-Pfalz eine halbherzige Reform. Die Überführung der Hauptschulen in die Realschule plus beseitigt die bekannten Hauptschulprobleme nicht, solange ein eigener Hauptschulbildungsgang erhalten bleibt. Wer etwas anderes erwartet, macht sich oder der Öffentlichkeit etwas vor.
Der VBE fordert vom neuen Schulgesetz, dass es durch eindeutige Regelungen mehr Klarheit in die zerklüftete Schullandschaft bringt. Eine echte Zweigliedrigkeit der Schulen sieht allerdings anders aus als die jetzigen Planungen der Landesregierung. Zwar ist der Schritt, nunmehr kooperative und integrative Formen der Realschule plus vorzusehen, richtig und konsequent. Wir fragen uns: Entsteht jetzt nicht aus Realschule plus, Gymnasium und IGS eine neue Form der alten Dreigliedrigkeit? Kein Wunder, dass nach einer aktuellen VBE-Umfrage auch die pädagogische Basis an den Schulen ausgesprochen skeptisch gegenüber den Plänen der Landesregierung reagiert!“
Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz, Johannes Müller, äußerte sich am Dienstag (11. März 2008) in Mainz zur Pressekonferenz von Bildungsministerin Doris Ahnen und Innenminister Karl-Peter Bruch vom gleichen Tag. Die Mitglieder der Landesregierung stellten darin den Schulgesetzentwurf für die Einführung der Realschule plus vor. - Der VBE-Landesvorsitzende bezog in seine Stellungnahme auch eine aktuelle Umfrage des VBE ein, die während der vergangenen drei Wochen landesweit unter den Teilnehmern von politischen VBE-Diskussionsveranstaltungen zur Einführung der Realschule plus erhoben worden waren.
Der VBE-Landeschef machte deutlich, auch die Frage der Schulträgerschaft müsse pragmatisch gelöst werden. Verbandsgemeinden seien an „ihren“ Schulen häufig näher dran. Dieses direkte Engagement für die „Schule vor Ort“ müsse von den Landkreisen häufig erst noch entwickelt werden. Voraussetzung dafür sei ein Schulentwicklungsplan, der jetzt gesetzlich Pflicht werden müsse. „Die Schulträgerschaft ist nicht nur ein Frage von Bus-Organisation und Versorgungsparametern, sondern vor allem eine der Identität mit der Schule selbst“, so Johannes Müller.
Johannes Müller begrüßte die künftig einheitliche Besoldung der Schulleitungen an der Realschule plus nach dem Standard der heutigen Realschulen unabhängig davon, ob die künftigen Schulleitungen aus Hauptschulen oder Realschulen kämen. „Diese Gleichstellung von bisherigen Haupt- und Realschulleitungen in der neuen Realschule plus ist richtig und letztlich angesichts der gestiegenen Leitungsanforderungen überfällig. Aber dieser Gleichstellung der Schulleitungen muss die Gleichstellung der übrigen Lehrkräfte folgen, wenn an der gelten soll: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Dieser Grundsatz gilt im übrigen aus Sicht des VBE nicht nur an der Realschule plus, sondern an allen Schulen!“ Zudem dürften – so der VBE-Landeschef – bei der Koppelung von Schulgröße und Besoldungseinstufung der Schulleitungen die Grundschulen nicht „abgehängt“ werden.
Zur Grundschulentwicklung bei rückläufigen Schülerzahlen äußerte der VBE-Landesvorsitzende: „Die im Schulgesetzentwurf vorgesehene Regelung, Grundschulen mit mehreren Standorten zu schaffen, ist ein reines Sparmodell! Jede Schule braucht eine Schulleitung!“
Der VBE Landesvorsitzende abschließend: „Eine logische Konsequenz aus der langjährigen Hauptschulkrise, die ja ein Hauptgrund für das Schulentwicklungskonzept der Landesregierung ist, wäre der Verzicht auf den Hauptschulabschluss und die Einführung des mittleren Bildungsabschlusses für alle Schülerinnen und Schüler. Der Hauptschulabschluss bietet immer weniger Ausbildungs- bzw. Berufschancen. Daran ändert auch der Schulgesetzentwurf der Landesregierung leider nichts!“