Zum VBE-Schuljahresplaner
Christian Eberle, Grundschulreferent des VBE Rheinland-Pfalz
Christian Eberle, Grundschulreferent des VBE Rheinland-Pfalz

Für die Gleichstellung der Grundschullehrkräfte in Ausbildung, Arbeitszeit und Besoldung

Alle Lehrerinnen und Lehrer sind heute Expertinnen und Experten für pädagogische und fachliche Förderung. Das gilt ohne Unterschied der Schulart oder des Lehramtes, egal ob an Gymnasium oder Grundschule. Ihre pädagogische Arbeit ist nicht gleichartig, aber sie ist immer gleichwertig, das ist in der öffentlichen Meinung unserer Gesellschaft mittlerweile angekommen und wird auch von der Politik insbesondere vor den Wahlen immer häufiger bestätigt.

Die Gleichwertigkeit der pädagogischen Arbeit an Grundschulen im Vergleich zu der geleisteten Arbeit an anderen Schulformen ist offenkundig und soll im Folgenden näher erläutert werden:

  • Die Grundschule ist eine Schule für alle und nimmt jedes Kind auf, unabhängig von sozialer, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit und seinem individuellen Entwicklungsstand. Im Verlauf der Grundschulzeit werden wichtige Grundfertigkeiten und positive Lernhaltungen vermittelt, wodurch ein tragendes Fundament für die persönliche Bildungsbiografie der Schülerinnen und Schüler gelegt wird.


  • Wie keine andere Schulart ist die Grundschularbeit geprägt durch eine reformfreudige Vergangenheit in den letzten Jahren. Die Einführung der vollen Halbtagsschule sowie die Festschreibung von individualisiertem und zieldifferentem Lernen in der Grundschulordnung waren hierbei Meilensteine.


  • Der pädagogische Auftrag des Grundschulunterrichts ist bei einer zunehmend heterogenen Schülerschaft höchst anspruchsvoll und zeichnet sich durch Wesensmerkmale wie Rhythmisierung, Verbalbeurteilungen, individuelle Lehrpläne, Lernportfolio, Lehrer-Schüler-Eltern-Gespräche und einem erweitertem Erziehungsauftrag mit hohem Beratungsaufwand aus. Beratungsgespräche am Nachmittag wie beispielsweise mit dem Jugendamt, den Paten der Flüchtlingsfamilien, dem schulpsychologischen Dienst, dem Schulsozialarbeiter, dem Familienhelfer, dem Logopäden und Mitarbeitern der Förder- und Beratungszentren etc. sind mittlerweile der Regelfall und nicht mehr die Ausnahme.


  • Die gesellschaftliche Bedeutung grundlegender Bildung an Grundschulen, dem Fundament für erfolgreiches Lernen, sozialer Integration und Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler, bedarf einer deutlichen Aufwertung – wie der Beruf der Grundschullehrkraft auch.


  • Die zweisemestrige Masterphase für Grundschullehrkräfte ist gemessen an der Vielfalt der beruflichen Anforderungen völlig unzureichend. Die kurze Ausbildungszeit ist durch nichts zu rechtfertigen und dient lediglich dem Zweck, die Ausbildung billig zu halten und eine Grundlage für eine unterschiedliche Einstufung zu schaffen. Eine reformierte Lehrerausbildung mit dem Ziel einer dienstrechtlichen Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Lehrämter muss dem endlich folgen.


  • Die Kluft zwischen dem in der Gesellschaft längst angekommenen Bewusstsein für die anspruchsvolle und gleichwertige Tätigkeit eines Grundschullehrers bzw. Grundschullehrerin und der völlig ungerechten Besoldung im Vergleich zu den anderen Lehrämtern mündet mittlerweile in einem strukturellen Desaster. Die ungerechte Besoldung hat zur Folge, dass sich immer mehr Lehramtsstudierende vom Grundschullehrerberuf abwenden. Die Ausbildungszahlen an den Studienseminaren sind rückläufig, umgekehrt nimmt der Mangel an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern stetig zu, so dass heute schon zahlreiche Grundschulklassen von Kolleginnen und Kollegen unterrichtet werden, die entweder für eine andere Schulart ausgebildet wurden oder sich noch vor der zweiten Ausbildungsphase befinden. Wenn der Grundschullehrerberuf wieder attraktiver werden soll, muss er in der Besoldung mit den übrigen Lehrämtern gleichgesetzt werden.


  • Auch die höhere Unterrichtsverpflichtung der Grundschullehrkräfte im Vergleich mit den übrigen Lehrämtern entbehrt jeglicher Grundlage. Andere Bundesländer haben das mittlerweile erkannt, haben Besoldungsgerechtigkeit geschaffen oder stecken in ersten Überlegungen.


Zusammenfassend bleibt festzuhalten: In der rheinland-pfälzischen Schulpolitik des 21. Jahrhunderts gilt noch immer der Grundsatz aus dem 19. Jahrhundert: Je kleiner die Schuhe der Schülerinnen und Schüler, umso kleiner das Lehrergehalt. Diese Ungleichbehandlung ist willkürlich, fachlich ungerechtfertigt und letztlich diskriminierend. Unserer Gesellschaft und den politischen Entscheidern muss die pädagogisch fundamentale Arbeit an den Grundschulen genau so viel wert sein wie Lehrerarbeit an den anderen Schularten.

Die Gleichwertigkeit der pädagogischen Arbeit an den unterschiedlichen Schulformen lässt keine Unterschiede mehr unter den Lehrkräften nach Schularten und Lehrämtern in Ausbildung, Deputat, Status und Besoldung zu.

Der VBE fordert die rheinland-pfälzische Landesregierung auf, sich zur schulpolitischen Gleichwertigkeit der Grundschulen zu bekennen, indem sie die Besoldungsdiskriminierung der Grundschullehrkräfte endlich beendet, die Unterrichtsverpflichtung senkt und eine angemessene Ausbildung schafft.

Der VBE fordert für Grundschullehrkräfte:

  • A 13 bzw. EG 13 als Grundgehalt,
  • Senkung der Unterrichtsverpflichtung auf 22 LWS á 50 Minuten,
  • eine viersemestrige Masterphase mit dem Masterabschluss an der Universität.



Einstimmig beschlossen von der VBE-Delegiertenversammlung am 03. November 2017


Grundschulbildung in Rheinland-Pfalz:
Gut gedacht und schlecht gemacht?

Die rheinland-pfälzischen Grundschulen stehen vor besonderen pädagogischen Herausforderungen. Sie sind „ganz dicht dran“ an der gesellschaftlichen Entwicklung. Grundschulen nehmen alle Kinder auf, unabhängig von sozialer, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit. Grundschulen spiegeln das Bild unserer Gesellschaft, ihre Entwicklungen, ihre Probleme, aber auch ihre Potentiale.

Viele Reformen sind unternommen worden, um die pädagogische Arbeit der Grundschulen für die gesellschaftliche Entwicklung fit zu machen: Volle Halbtagsschule, Individualisierung des Lernens und Inklusion. Das war in der Regel schulpolitisch gut gedacht, aber durch eine chronische Unterfinanzierung letztlich schlecht gemacht. Immer neue Herausforderungen entstehen dadurch im schulischen Alltag. Gerade die notwendige und nachhaltige Integration der von Vertreibung betroffenen Kinder lässt viele eine Überforderung des Systems befürchten. Hinzukommt ein zunehmender Mangel an Grundschul-Lehrkräften.

Nüchterne Bestandsaufnahme
Der VBE Rheinland-Pfalz hat im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme der Grundschulsituation durchgeführt, die auf einer landesweiten Umfrage unter allen nahezu 1.000 Grundschulen basierte. Die Ergebnisse der Analyse haben die Defizite an den Grundschulen bestätigt (hier zum Download).

Um mehr allgemeine öffentliche – nicht nur politische - Unterstützung für eine Stärkung der Grundschulen und der Grundschulbildung zu erzeugen, führt der VBE Rheinland-Pfalz seit 2015 eine Werbekampagne für den Wert der Grundschulbildung durch. Ihr Motto lautet: … ein guter GRUND SCHULE zu stärken.

Der VBE Rheinland-Pfalz ist der Auffassung: Es reicht nicht aus, die schwierige Situation an den rheinland-pfälzischen Grundschulen zu beklagen. Es gilt, sie zu verändern. Deshalb hat er sich jetzt an die rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig gewandt und ihr für eine dauerhafte Verbesserung der Grundschulbildung einen Maßnahmenkatalog vorgelegt.

Forderungen an die Landesregierung
In dem Schreiben an die Ministerin heißt es u.a.:
„… Der bundesweite Mangel an Grundschullehrkräften hat zu einer verschärften Konkurrenz unter den Ländern geführt. Die Folge ist die Abwanderung in Rheinland-Pfalz ausgebildeter Grundschullehrkräfte, weil andere Länder bessere Konditionen für die Ausübung des Lehrberufs bieten…

Summa summarum muss es … der Landesregierung darum gehen …
• qualifizierte Lehrkräfte für die Grundschule zu gewinnen,
• qualifizierte Lehrkräfte an den Grundschulen zu halten,
• die Qualifikation des Grundschullehrerberufs den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen anzupassen.

Hierzu sind aus Sicht des VBE Rheinland-Pfalz folgende Schritte erforderlich:
• Ausbau des Grundschul-Masterstudiums auf vier Semester;
• modulare Wechsel-/Qualifikationsmöglichkeiten für andere Lehrämter;
• Erhöhung der Planstellen im Grundschulbereich und Übernahme aller in Rheinland-Pfalz ausgebildeten Grundschullehrkräfte in Planstellen;
• Angleichung des Regelstundenmaßes auf 21 Stunden (á 50 Min);
• Angleichung der Besoldung auf A 13/ E13 …

… Ohne Mehrausgaben, also gezielte Investitionen, lassen sich … weder die Attraktivität des Grundschullehrer/-innen-Berufs nachvollziehbar bzw. nachhaltig steigern noch die Bildungsqualität an den Grundschulen auf dem für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung notwendigen Niveau halten.

Letztlich geht es darum, die Pro-Kopf-Ausgaben im Grundschulbereich jenen der anderen Schulbereiche anzugleichen, weil es im Niveau der pädagogischen Aufgabenstellungen der Schularten keine substanziellen Unterschiede mehr gibt, die unterschiedliche Ausgaben auch volkswirtschaftlich rechtfertigen könnten…“


Schluss mit der chronischen Unterfinanzierung - mehr Gerechtigkeit auch für Grundschullehrkräfte!
Am 18. Mai ist in Rheinland-Pfalz Verfassungstag. Am kommenden 18. Mai 2017 werden – nach Jahren harter juristischer und politischer Auseinandersetzungen - die ersten ehemaligen Hauptschullehrer/-innen die gleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit erhalten wie ihre Kolleginnen und Kollegen mit dem Realschullehramt.

Das ist nicht nur der Einstieg in mehr soziale Gerechtigkeit unter den Lehrerinnen und Lehrern, vom VBE erstritten vor dem Bundesverwaltungsgericht. Dieser juristische wie schulpolitische Vorgang zeigt auch, dass soziale Gerechtigkeit im Lehrerberuf und die Wertschätzung hochwertiger Bildung zwei Seiten einer Medaille sind.

Das gilt aus Sicht des VBE auch für die Grundschulen bzw. die dort tätigen Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer. Deshalb nehmen wir den 18. Mai 2017 nochmals zum Anlass, die Gleichstellung der Grundschullehrkräfte in Ausbildung, Arbeitszeit und Besoldung zu fordern.

Es gibt heute keinen Grund mehr, soziale Unterschiede zwischen den Lehrern zu machen; das überkommene Kastensystem unter den Lehrern sollte im 21. Jahrhundert endgültig ausgedient haben. Die Aufgabe der Lehrkräfte unterschiedlicher Schularten ist sicher nicht gleichartig, aber sie ist in jedem Fall gleichwertig – davon sind wir überzeugt. Und dafür streiten wir.

Bildung mit Biss. VBE

VBE legt Stellungnahme zum Entwurf der Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot vor

Der VBE Rheinland-Pfalz hat jetzt seine Stellungnahme zum Entwurf der Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot des Bildungsministeriums vorgelegt. Abgabetermin im Beteiligungsverfahren war der 28. Februar 2017. Hier finden Sie die Stellungnahme zum Download.

Bildung mit Biss: Wir haben die Perspektive für A13 eröffnet!

  • Alle Lehrerinnen und Lehrer sind heute Expertinnen und Experten für pädagogische und fachliche Förderung - ohne Unterschied der Schulart oder des Lehramtes. Ihre pädagogische Arbeit ist nicht gleichartig, aber sie ist immer gleichwertig.

  • Die Unterschiede unter den Lehrkräften nach Schularten und Lehrämtern in Ausbildung, Deputat, Status und Besoldung sind weder fachlich noch in ihrer pädagogischen Bedeutung gerechtfertigt. Sie sind ein Relikt aus vordemokratischen Zeiten.

  • Deshalb kämpft der VBE seit Langem für die Gleichwertigkeit der Lehrämter. Das heißt: Mindestens A 13 bzw. EG 13 für alle Lehrerinnen und Lehrer – auch an den Grundschulen!

  • Dabei sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Dem VBE - und nur dem VBE - ist nach langer politischer und gerichtlicher Auseinandersetzung der Einstieg in die Gleichstellung der Lehrkräfte gelungen. Das gilt zunächst für GHS-Lehrkräfte an Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen. In dieser Legislaturperiode werden wir das Ziel – hoffentlich - erreichen. Noch immer müssen wir um diese Gleichstellung kämpfen. Großer Dank an die vielen Kolleginnen und Kollegen, die den VBE darin unterstützen!

  • Mit dieser lehrerpolitischen Initiative hat der VBE auch die Perspektiven für eine Aufwertung der Grundschullehrer/-innen eröffnet - den Weg zur Gleichstellung: zur Einstufung in A 13 bzw.
    EG 13.

  • Nur durch diese Gleichstellung wird die gesellschaftliche Bedeutung fundamentaler Bildung in unserem Land eine nachhaltige Aufwertung erfahren - wie die Grundschulen selbst auch.

  • Die Gleichstellung der Kolleginnen und Kollegen erreichen wir nicht von heute auf morgen. Wir müssen einen langen Atem haben und unseren Weg gehen – zuweilen in kleinen Schritten mit Blick auf das große Ziel. Aber wir werden das Ziel erreichen! Sicher!

Die VBE-Perspektive

  • Grundschularbeit öffentlich wertschätzen und aufwerten!
  • Grundschulen schulpolitisch stärken und sicher versorgen!
  • Grundschulkolleginnen und Grundschulkollegen gleichstellen –
    in Ausbildung, Arbeitszeit und Besoldung!
  • Gerechtigkeit schaffen: A13 / EG 13 auch für Grundschullehrer/-innen.

Dafür kämpfen wir. Mit Euch. VBE – Bildung mit Biss.


Weitere Informationen und Downloads zur Kampagne:
Grundschul_News November 2016
Situationsanalyse Grundschullehrkräfte/Besoldung
VBE-Grundschulumfrage
Rechtsgutachten zur gleichen Lehrer/-innen-Besoldung

Weltenzoom
Vertrauenzoom
Fördern und fordernzoom
Verantwortungzoom
Gemeinsames Lernenzoom
Selbstbewusstseinzoom
Chancenzoom
Phantasiezoom
Selbstständigkeitzoom
Talentzoom
Neugierzoom
Teamgeistzoom
Respektzoom
 

VBE Kampagne

Ein guter Grund Schule zu stärken

DIGIT

Digit

DIGIT - der neue digitale Unterrichtsplaner Rheinland-Pfalz - für VBE-Mitglieder jetzt kostenlos! Hier anmelden.

Besoldung an RS+ und IGS:
A 13 / WP II

Gerechtigkeit für Lehrer