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VBE Rheinland-Pfalz

Bildungspolitik: Traumberuf Grundschullehrkraft gefährdet – steigende Anforderungen bei stagnierender Bezahlung

29.01.2019

VBE Rheinland-Pfalz stellt Status Quo und Zukunftsperspektiven für Grundschulen vor

Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen erhalten traditionell kurz vor Weihnachten die frohe Kunde, dass die Unterrichtsversorgung besonders an ihrer Schulart einen Spitzenwert erreicht. Im Dezember 2018 stellte das Bildungsministerium erstmalig eine strukturelle Versorgung von über 100% vor. Kritik an der Erhebung und den vorgestellten Zahlen erhebt der VBE Rheinland-Pfalz jedes Jahr wieder. Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz am 29. Januar 2019 verdeutlichte der VBE Rheinland-Pfalz, wie der Alltag an Grundschulen tatsächlich aussieht – fernab einer vollumfänglichen Unterrichtsversorgung.

Oliver Pick, stellvertretender Landesvorsitzender des VBE Rheinland-Pfalz, fand deutliche Worte: „Es ist ein Schlag ins Gesicht für jede Kollegin und jeden Kollegen, wenn von einer so positiven Unterrichtsversorgung die Rede ist. Stichtag der Erhebung ist der 1. August. Die Welt sieht aber schon einen Tag später ganz anders aus, wenn Kolleginnen und Kollegen kurzfristig in ein anderes Bundesland wechseln, wenige Wochen später Krankmeldungen auflaufen, über das Schuljahr Fortbildungen angemeldet werden oder Kolleginnen schwanger werden. Diese beinahe schon vorausschaubaren Ausfälle sind nicht kalkuliert – die 100-prozentige Unterrichtsversorgung daher nur ein Luftschloss der Ministerin!

Unsere Stichproben an rheinland-pfälzischen Grundschulen haben ergeben, dass bis zu 10% des Unterrichts nicht in der Form stattfinden, wie es der Gliederungsplan vorsieht. Klassenzusammenlegungen, Aufteilungen, aufgelöste Doppelbesetzung, nicht stattfindende Fördermaßnahmen und ausbleibende Sprachförderung – zwischen den Sommer- und Weihnachtsferien sind so zusammengenommen im Einzelfall bis zu zwei komplette Wochen Unterricht an einer Schule ausgefallen. Es geht hierbei nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität: Unter den immer weitergreifenden Aufgaben einer Grundschullehrkraft leidet am Ende auch die Qualität der eigentlichen Kernaufgabe und somit auch die Bildung unserer Kleinsten!“

Der VBE Rheinland-Pfalz stellte auf der Pressekonferenz die Aufgaben und Herausforderungen von Grundschullehrkräften und –schulleitungen anhand zweier fiktiver Fallbeispiele vor – die Probleme sind real: zunehmende Verwaltungsaufgaben, Stellenbesetzungen, Zusammenarbeit mit Schulträgern, Gespräche mit außerschulischen Partnern, Betreuung und Unterstützung von Lehramts-Wechslern und anders Qualifizierten (AQ), Diagnose und Begutachtung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf, eigene Fortbildungen, Zusammenarbeit im Kollegium, Gefährdung der eigenen Gesundheit durch Gewalt und Mobbing.

„Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. In den letzten Jahren sind stetig weitere Aufgaben zum Beruf der Grundschullehrerinnen und –lehrer hinzugekommen. Grund ist die veränderte Gesellschaft und damit auch die veränderte Kindheit, in der vermehrt sozial-emotionale Entwicklungsstörungen festzustellen sind. All diese Herausforderungen drängen die Kernaufgabe der Lehrkräfte zurück: den eigentlichen Unterricht, der mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag an Grundschulen verbunden ist. Diese Veränderungen müssen endlich erkannt und durch entsprechende Maßnahmen aufgefangen werden. Aufgabenpools, Unterrichtsmaterialien und Initiativen sind für die Politik ein nettes und vor allem kostengünstiges Beiwerk – das Einzige, was die derzeitige Überlastung auffangen kann, ist Zeit. Zeit gewinnen die Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen mit entsprechender Unterstützung durch Doppelbesetzungen im Unterricht, ausreichende Stellen in den Bereichen Schulsozialarbeit und –psychologie sowie Verstärkung durch Förderschullehrkräfte und Pädagogische Fachkräfte, insbesondere an Schwerpunktschulen. Die Überlastung bei Unterbezahlung an Grundschulen muss endlich ein Ende haben!“ fordert der Landesvorsitzende Gerhard Bold.

Die Forderungen des VBE Rheinland-Pfalz werden einerseits durch Ergebnisse aus Arbeitsgruppen bestärkt, die nach den schlechten Ergebnissen der letzten IQB-Studie eingesetzt wurden. Auch hier werden multiprofessionelle Teams als zentrale Maßnahme für eine Verbesserung der Unterrichtsqualität identifiziert. Andererseits zeichnet eine Umfrage an Grundschulen im Land das gleiche Bild: Neben der personellen Aufstockung sei die Unterstützung durch Schulsozialarbeit und –psychologie dringend notwendig.

Lars Lamowski, stellv. Landesvorsitzender, betont die besondere Motivation der Grundschullehrkräfte: „Die Arbeit am Kind ist den Kolleginnen und Kollegen das Wichtigste, weshalb sie an ihre Grenzen und darüber hinausgehen, damit der Unterricht auch unter den widrigsten Umständen stattfinden kann. Dieses Engagement ist mehr als Gold wert und muss endlich von der Politik anerkannt werden. Nur durch eine personelle Aufstockung und finanzielle Gleichstellung mit anderen Lehrämtern ist zu gewährleisten, dass auch kommende Generationen sich wieder für den Traumberuf der Grundschullehrerin bzw. des Grundschullehrers entscheiden!“

Die Vertreter des VBE Rheinland-Pfalz fassten ihre Forderungen wie folgt zusammen:

  • Mehr Zeit für Lehrerinnen und Lehrer
  • Aufstockung der zu besetzenden Planstellen – mittelfristig: Planstellen direkt besetzen
  • Verstärkung von Feuerwehrlehrkräften und Vertretungspoolstellen sowie Aufstockung des PES-Budgets als kurzfristige Notmaßnahmen – mittelfristig: Unterrichtsversorgung von 120% sichern
  • Unterstützung durch multiprofessionelle Teams (Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Schulgesundheitsfachkräfte)
  • Aufstockung von Förderschullehrkräften und Pädagogischen Fachkräften insbesondere an Schwerpunktschulen
  • Aufwertung und Anerkennung des Berufs: A 13/E13 auch für Grundschullehrkräfte
  • Stundenreduktion für die Betreuung und Unterstützung von Lehramts-Wechslern und AQs – Erstellung von Tatbeständen für Entlastungsstunden
  • Erhöhte Leitungszeit, Einrichtung von didaktische Koordinatoren und Verwaltungskräften zur Unterstützung und Entlastung der Schulleitungen
  • Fachdidaktische Qualifizierung von schulartfremden Lehrkräften
  • Realistische Erhebung der Unterrichtsversorgung


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