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Schulpolitik / Schulstatistik und Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2017/18

12.12.2017

VBE-Landesvorsitzender Gerhard Bold: „Zahlen sind erneut beschämend!“

Neue Schulstatistik – altes Problem: Über 10.000 fehlende Lehrerstunden

Verschlechterung an weiterführenden Schulen, Förderschulen abermals Schlusslicht

„Die heute vorgestellten Zahlen der Unterrichtsversorgung an den rheinland-pfälzischen Schulen sind vergleichbar schlecht wie letztes Jahr und damit erneut beschämend. Von Vornherein wurden auch zu Beginn des Schuljahres 2017/18 wieder tausende Lehrerstunden zu wenig geplant – pro Woche! Zu diesem strukturellen Versorgungsdefizit kommen noch aktuelle Ausfälle durch Krankheit oder Fortbildungen hinzu. Einblicke in den Schulalltag bleiben aus, die Schulwirklichkeit wird bei der offiziellen Statistik somit komplett verschleiert.

Bildungsministerin Stefanie Hubig beschönigt Zahlen, hinter denen bitterer Ernst steckt: Für die Bildung unserer Kinder wird Unterrichtsausfall in hohem Ausmaße von Anfang an in Kauf genommen. Kinder gehen nur einmal in die Schule – für unsere Schülerinnen und Schüler ist es also elementar wichtig, dass ihnen keine Nachteile durch fehlenden Unterricht entstehen. Die vorgelegten Ergebnisse und Zahlen zeigen nicht, wie gut die Unterrichtsversorgung ist, sondern wie hoch die geplanten Unterrichtsausfälle sind. Auch in diesem Jahr sind wieder weit über 10.000 Lehrerwochenstunden dokumentiert, die fehlen. Das entspricht über 400 Lehrerstellen – im schulischen Alltag rechnet der VBE Rheinland-Pfalz mit doppelt so hohen Defiziten.

Die niedrigen Zahlen an Grundschulen sind zudem anders zu bewerten als an weiterführenden Schulen: Hier gelten feste Öffnungszeiten und somit eine Unterrichtsgarantie. Der Unterrichtsausfall an weiterführenden Schulen zeigt, dass eine Versorgungsquote von etwa 104% benötigt wird, um alle Ausfälle kompensieren zu können. Auch der Einsatz von „Feuerwehrlehrkräften“ oder PES-Kräften, die teilweise noch studieren oder lediglich den Bachelor-Abschluss haben, führt nicht zum gewünschten Erfolg, Schülerinnen und Schüler mit adäquatem Vertretungsunterricht zu versorgen.

Der eklatante Mangel an Grundschul- aber insbesondere an Förderschullehrkräften wird hier besonders deutlich. An Förderschulen arbeiten 10% Lehrerinnen und Lehrer, die ursprünglich für ein anderes Lehramt ausgebildet wurden. Hier muss die Landesregierung ihre Hausaufgaben machen und den Beruf der Lehrerin bzw. des Lehrers in Rheinland-Pfalz attraktiver gestalten!“ so der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold in seiner Stellungnahme zu der von Bildungsministerin Stefanie Hubig bekannt gegebenen Unterrichts- und Schulstatistik für das Schuljahr 2017/18.

Das Bildungsministerium setzt zukünftig auf den Ausbau von Feuerwehrlehrkräften für die Grundschulen – an weiterführenden Schulen trägt dieses Konzept nicht, hier greifen Schulen weiterhin auf teilweise nicht voll ausgebildete PES-Kräfte für Vertretungsunterricht zurück.

Gerhard Bold: „Besonders traurig ist, dass die Förderschulen wieder das Schlusslicht der Unterrichtsversorgung sind. Es kann nicht sein, dass die Schwächsten am schlechtesten versorgt werden. Für eine Landesregierung mit sozialem Anspruch ist das skandalös.“