Zum VBE-Schuljahresplaner

Sommer der Baustellen - die größte Baustelle im Land ist die Schulpolitik

09.08.2017

Rot-gelb-grüne Landesregierung ohne klares schulpolitisches Konzept / VBE warnt vor der Abwanderung von gut ausgebildeten Grundschullehrkräften

„Während zum Ende der Sommerferien die eine oder andere Baustelle auf unseren Straßen geschlossen wird und der Verkehr wieder rollen kann, bleibt die größte Baustelle im Land auf unbestimmte Zeit weit offen: die Schulpolitik der rot-gelb-grünen Landesregierung. Auch im zweiten Schuljahr nach Amtsantritt können wir als VBE kein klares Konzept für die Schulentwicklung in unserem Land erkennen, das mehr bietet als ein Weiter so.

Wir würdigen, dass die Tür zu mehr sozialer Gerechtigkeit für Lehrkräfte an Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen nach langer harter Auseinandersetzung aufgestoßen werden konnte. Aber die erklärten schulpolitischen Projekte der Landesregierung stagnieren, allem voran die Unterrichtsversorgung: Es ist nicht erkennbar, wie die Landesregierung ihr 100%-Ziel erreichen will oder kann. So erwarten wir zum Schulstart erneut eine erhebliche Versorgungslücke, die den Schulen die Planungssicherheit nimmt. Wir gehen von einem rechnerischen Bedarf von mehr als 1.000 Lehrkräften aus, wenn alle Programme zur individuellen Förderung auch tatsächlich nach Plan durchgeführt werden.

Stattdessen verliert sich die Landesregierung in Kleinkämpfen um die Schließung von Grundschulen, bei der sie finanziell nichts gewinnen und kommunalpolitisch vieles verlieren kann. Die Inklusion dümpelt vor sich hin zwischen Versprechungen und Unbezahlbarkeit. Derweil ziehen die Geburtenzahlen an und lassen ahnen, wie unvorbereitet man in Rheinland-Pfalz auf mehr Schülerinnen und Schüler ist - als wenn die Migration darauf nicht bereits einen Vorgeschmack geliefert hätte.

Nach wie vor fehlt der Landesregierung der große schulpolitische Wurf. Dafür ist Rot-gelb-grün nicht gewählt worden. Es wird Zeit für einen Aufbruch.“

Wenige Tage vor Unterrichtsbeginn des Schuljahres 2017/2018 äußerte sich der Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Lehrergewerkschaft VBE, Gerhard Bold, zur aktuellen Situation der rheinland-pfälzischen Schulpolitik. Der Unterricht beginnt wieder am Montag, 14. August 2017.

Der VBE-Landeschef wies auf die verstärkte Abwanderung von in Rheinland-Pfalz gut ausgebildeten Grundschullehrkräften in benachbarte Bundesländer hin. „Nach unseren Recherchen nimmt die Zahl der Abwanderer deutlich zu“, so Gerhard Bold. „ Das heißt für uns: In Deutschland werden Lehrkräfte für die Grundschulen knapp, das Windhundrennen unter den Ländern um die Grundschullehrer hat begonnen.“

Statt immer mehr Gymnasiallehrer auszubilden, sollte der Grundschullehrerberuf wieder attraktiver werde, so Gerhard Bold. Das gelte nicht nur für Rheinland-Pfalz, sondern bundesweit. Das „arme“ Berlin habe den Anfang mit einer gerechten Bezahlung gemacht.

Der VBE-Landeschef: „Rheinland-Pfalz muss dem folgen, sonst geht die Grundbildung hierzulande baden. Grundschullehrkräfte müssen in Ausbildung, Arbeitszeit und Besoldung den anderen Lehrkräften gleichgestellt werden. Das ist der einzige Weg, dem heraufziehenden Personalmangel konsequent begegnen zu können.“